Wir begrüßen Pavaoo als das neuste Mitglied in unserem Netzwerk. PAVAOO entwickelt adhäsive Medizinprodukte für den weiblichen urogenitalen Intimbereich. Für die Entwicklung eines Pflasters zum Schutz vor postkoitalen Harnwegsinfektionen wurde PAVAOO 2022 mit dem IDEA Award der Technischen Universität München ausgezeichnet.
In einem Interview mit Cordula Loock erhalten wir nähere Einblicke in das Unternehmen.

Pavaoo ist ein junges Unternehmen im Bereich Frauengesundheit – was genau steckt hinter Pavaoo und welche Vision verfolgen Sie mit Ihren medizinischen Lösungen?
Entstanden ist PAVAOO aus der Beobachtung, dass viele Frauen wiederkehrende Beschwerden im Zusammenhang mit Intimität erleben – insbesondere Harnwegsinfektionen nach dem Geschlechtsverkehr. Obwohl dieses Thema medizinisch relevant ist und die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen kann, wird es gesellschaftlich häufig unterschätzt oder zu wenig offen besprochen.
Hinter PAVAOO steht ein junges Unternehmen, das von Expertise und Unterstützung aus Industrie, Politik, Forschung sowie von betroffenen Frauen begleitet wird.
PAVAOO setzt hier mit einer wirkstofffreien, äußerlich anzuwendenden medizinischen Lösung an. Der Fokus liegt auf einem mechanischen Präventionsprinzip, das darauf ausgerichtet ist, Frauen eine einfache, diskrete und alltagstaugliche Möglichkeit zur Unterstützung ihrer intimen Gesundheit zu bieten.
Welche Herausforderungen bestehen aktuell in der Prävention postkoitaler Harnwegsinfektionen, die bestehende Lösungen nicht ausreichend adressieren?
Viele bestehende Ansätze verlangen Frauen vor allem eines ab: Disziplin. Trinken, planen, einnehmen, beobachten – oft über Tage hinweg und nicht selten mit begrenztem Erfolg. Das passt kaum zu einem Moment, der eigentlich von Nähe, Vertrauen und Leichtigkeit geprägt sein sollte.
Die Herausforderung liegt deshalb darin, Prävention von postkoitalen Harwegsinfektionen einfacher, gezielter und bezahlbarer zu machen. PAVAOO setzt nur bei Bedarf an, wirkt äußerlich, wirkstofffrei und nicht systemisch – dort, wo das Risiko entsteht: im Bereich der Harnröhrenöffnung.
Was unterscheidet den technologischen Ansatz von Pavaoo bei der Entwicklung eines medizinischen Pflasters von klassischen Therapie- oder Präventionsmethoden?
PAVAOO unterscheidet sich vor allem durch seinen mechanischen und lokalen Ansatz.
Während klassische Methoden häufig auf Wirkstoffe, Verhaltensregeln oder medikamentöse Maßnahmen vor oder nach dem Geschlechtsverkehr setzen, wird PAVAOO äußerlich und genau im relevanten Moment angewendet.
Das Pflaster ist wirkstofffrei, nicht systemisch und wird nur bei Bedarf angewendet. Es zielt darauf ab, die Harnröhrenöffnung mechanisch zu schützen – also genau den Bereich, der bei postkoitalen Harnwegsinfektionen eine zentrale Rolle spielt.
Damit steht PAVAOO für einen niedrigschwelligen Präventionsansatz: diskret, körpernah, einfach mitzunehmen und ohne mehrtägiges Vor- oder Nachmanagement.
Welche Rolle spielen Nutzerinnenfeedback und klinische Evidenz in Ihrem Entwicklungsprozess neuer Produkte?
Nutzerinnenfeedback und klinische Bewertung sind für uns wichtige Bestandteile eines verantwortungsvollen Entwicklungsprozesses. Wir berücksichtigen regulatorische Anforderungen, den aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik sowie Rückmeldungen aus der Anwendung, um unsere Produkte sicher, alltagstauglich und nutzerinnenorientiert weiterzuentwickeln.
Welche Erwartungen verbinden Sie mit Ihrer Mitgliedschaft im Medical Valley Netzwerk im Hinblick auf Kooperation, Sichtbarkeit oder Weiterentwicklung Ihrer Innovation?
Mit der Mitgliedschaft im Medical Valley Netzwerk verbinden wir vor allem Sichtbarkeit, Austausch und Zugang zu relevanten Perspektiven im Gesundheitsmarkt.
Für ein junges MedTech-Unternehmen ist es entscheidend, nicht nur ein Produkt zu entwickeln, sondern es im richtigen Umfeld einzuordnen: medizinisch, regulatorisch, wirtschaftlich und aus Sicht der Versorgung. Genau hier kann ein Netzwerk wie Medical Valley wertvoll sein – durch Kontakte zu Expertinnen und Experten, den Austausch mit anderen Unternehmen, Impulse aus Forschung und Praxis sowie eine höhere Wahrnehmung innerhalb der Medizintechnik- und Gesundheitsbranche.